Freitag 29. Oktober 2004, 20:00 Uhr Helmut Oehring:
Im Dickicht der ZEICHEN
Sidney Corbett: Die sieben ToreStädtische Bühnen, Kleines Haus
Das Thema von Helmut Oehrings szenischer Musik ist der Raum. Der Komponist begreift ihn als ein lebendes Wesen, das sich öffnet und zusammenzieht, als einen Körper, der eine Lunge hat und atmet, als einen „sakralen Ort, leuchtend und mordend“. Die kammermusikalische Komposition erschafft eine Art Kommunikationsmodell, das musikalische Gruppen und szenische Aktionen auf der Bühne und im Raum miteinander verknüpft. Bestandteile dieses Modells sind die Partitur und die sogenannte Sub-Partitur. Dabei handelt es sich ausgesuchte Samples und Sampleloops, die während der Aufführung in das live Gespielte eingeblendet werden. Szenisch-theatralische Elemente entstehen vor allem durch den Reflex auf die Gebärdensprache, Helmut Oehrings Muttersprache, durch Lautpoesie, Pantomime sowie subtile Lichteffekte. Dazu kommt eine technische Textur aus Steuerungs- und Kontrolldaten, die, der Partitur folgend, in Echtzeit produziert wird. Die Inszenierung verwebt all diese Elemente in gleichberechtigter Weise zu einem musikalischen, visuellen und narrativen Ganzen, das stark von spielerisch-träumerischen Aspekten lebt.
Das Leitbild zu Sidney Corbetts Stück sind die "Sieben Tore zur Hölle", wie sie der Koran benennt. Ausgehend von der früheren musiktheatralischen Arbeit "The Electric Chair" beschäftigt sich auch dieses Werk kritisch mit dem Phänomen der Todesstrafe – ein Thema, das für Corbett als US-Amerikaner eine große Brisanz besitzt und zugleich Assoziationen zu verschiedenen aktuellen Diskussionen über kulturelle Differenzen und Terrorismus schafft. Der Text wurde eigens von Anja Tuckermann geschrieben. Das Werk ist als narratives Musiktheater konzipiert – für Sopran, Schlagzeuger und ein Kammerensemble; die Besetzung entspricht der Besetzung des Ensembles "Wire Works“. Alle Instrumente werden elektronisch verkabelt und verstärkt beziehungsweise klanglich verändert. |